Zum Gedenken an Pfr. Hans Uli Herrmann-Harnischberg
14.08.2026
Zum Gedenken an Pfr. Hans Ueli Herrmann
‘Der Glaube kommt aus der Predigt’. Dieses Pauluswort aus Röm. 10,17 war das Leitmotiv von Pfr. Herrmann während seiner gesamten Pfarrtätigkeit. Diesem Wort fühlte er sich verpflichtet, es war sein Auftrag. Deshalb war seine erste Priorität immer die Predigtvorbereitung. Wie er selbst sagte, waren 10 bis 20 Stunden Vorbereitungszeit keine Ausnahme. Mit seinen legendären drei Punkten konnte er die Gemeinde fesseln und begeistern. Es war ihm immer ein Herzensanliegen den Glauben als etwas im Alltag Erlebbares darzustellen. Es ging ihm nicht nur um theologische Überlegungen.
Wenn sich die Predigt in die Länge zog, hörten wir manchmal von der Kanzel: «Mögen Sie noch?» Obwohl es für uns manchmal schon etwas lang war, hörten wir ihm immer sehr gern zu.
In seiner Gemeindearbeit versuchte er vieles, um uns zum aktiven Glauben zu ermutigen. Wir möchten an einiges erinnern:
- Die vierteljährlichen gemütlichen Abendmahlsnachtessen. Bei einem kleinen einfachen Nachtessen gab es viel Zeit zum Plaudern. Dann wurde nach einem kurzen Singteil das Abendmahl gefeiert. Abschliessen blieb noch genügend Zeit zum weiteren Austauschen.
- Die Hauskreise. Mit ‘Mut zur Gemeinde’ wurde ein Wochenende organisiert. Pfr. Herrmann ging es darum, dass möglichst viele neue Hauskreise entstehen, in denen die Bibel, der Glaube und die Gemeinschaft im kleinen Kreis das Hauptthema waren. Es entstanden mit der Zeit über 25 Hauskreise, die unser Gemeindeleben belebten. Bis heute sind die Hauskreise ein wichtiger Teil unserer Gemeinde.
- ‘Schon gefunden?’ War eine weitere Aktion, um kirchenferne Menschen anzusprechen. Mit einer temporär eingerichteten Telefonstation mit mehreren Apparaten (es gab noch keine Natels!) wurden alle Haushalte der Gemeinde angerufen. Im Gespräch wurde ein kurzer Besuch angeboten, um ein kleines Büchlein abzugeben. So entstanden viele neue Kontakte.
Pfr. Herrmann war «das allgemeine Priestertum» ein weiteres Anliegen, das er förderte. Er war bereit, Verantwortung abzugeben und Neues entstehen zu lassen. Viele freie Mitarbeitende fanden in der Gemeinde einen Platz, um ihre Begabungen einzubringen. Das ist bis heute so geblieben.
So war es uns möglich, mit vielen Freiwilligen die Sonntagsschularbeit auszubauen. Bald kam dann noch die Teenagerarbeit dazu. Pfr. Herrmann unterstützte uns immer mit grossem Wohlwollen.
Als vier engagierte Gemeindeglieder Pfr. Herrmann anboten, mit ihm regelmässig wichtige Gemeindefragen zu besprechen und ihn in der Gemeindeführung zu unterstützen, war er sofort einverstanden. So entstand der erste Arbeitskreis, der während Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Gemeindeleben leistete und die Brücke zur Gemeinde bildete. Im damaligen Kirchenvorstand der Münstergemeinde hatte es keinen Platz für Fragen des Gemeindealltages.
Anfänglich bestand der Gottesdienst nur aus Orgel und Wort, was damals üblich war. In den 1980er Jahren entstanden in Basel mehrere junge Gemeinden und Kommunitäten, in denen das Singen von neuen Liedern gepflegt wurde. Als wir dann Pfr. Herrmann fragten, ob es nicht möglich wäre, auch in der Gellertkirche «neue» Lieder zu singen, gab er uns die Möglichkeit, jeden sechsten Sonntag, einen kleinen Lobpreisteil mit Hellraumprojektor, Banjo und Klavier zu gestalten. Viele Gemeindeglieder hatten am Singen neuer Lieder Freude, so dass wir im Laufe der Zeit jeden zweiten Sonntag einen sogenannten «Singgottesdienst» feiern konnten. Allerdings gab es auch Leute, die deshalb die Gemeinde wechselten.
Ein Zeichen seines demütigen Charakters war auch die Einsicht, dass er nicht allen und allem gerecht werden konnte. Deshalb kam ihm die Idee, für die Jugendarbeit eine geeignete Person anzustellen und mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Damals war das eine revolutionäre Idee, heute ist das in vielen Gemeinden eine Selbstverständlichkeit. Die Jugendarbeit bekam so einen spürbaren Aufschwung und ist seither ein Schwerpunkt unserer Gemeinde.
In den vielen Jahren seiner Arbeit begegnete Pfr. Herrmann auch besonderen, nicht ganz einfachen Personen. Oft pflegte er dann liebevoll zu sagen: »Ja, ja, dr Herrgott het auerlei Chrüttli i sym Gärtli».
Bei all seiner Arbeit wurde Pfr. Herrmann von seiner geliebten Frau Heidi verständnisvoll unterstützt. Wenn ihm die Arbeit fast zu viel wurde, oder er in Problemen zu versinken drohte, sagte manchmal seine Frau: «Hans Ueli, leg’s uff d’Syte» ein weiser Rat. Sie meinte natürlich damit auch: Überlass es Gott. Das tat er im Gebet gern.
Bis in seine letzten Lebenstage war er dankbar, wenn wir mit ihm beteten. Er fragte auch immer nach unseren Anliegen. Für uns ist nun nach über 50 unvergesslichen Jahren ein sehr aufmerksamer lieber Bruder und Freund in die Ewigkeit voraus gegangen. Nun kann er endlich schauen, was er geglaubt hat.
Am 4. August 2026 ging das reich erfüllte, vom tiefen Glauben geprägte Leben von Hans Ueli Herrmann zu Ende. Soli Deo Gloria.
Ruth und Adrian Egger
Kontaktpersonen
Matthias Pfaehler
Pfarrer im Gemeindedienst
061 316 30 59
Dominik Reifler
Gemeindepfarrer
061 316 30 41